Drill und Auslese

1938 bis 1945

Drill und Auslese


Epoche im Überblick

Sofort nach dem Anschluss organisierten die Nazis das Land staatlich, militärisch, wirtschaftlich, kulturell und sozial nach reichsdeutschem Muster. Aus Österreich wurde die Ostmark und später die «Donau- und Alpenreichsgaue». Krieg und NS-Ideologie forderten in Österreich rund 380.000 Todesopfer. Der Anteil der Austro-Täter war überproportional hoch. Der 2. Weltkrieg beendete die NS-Herrschaft. Im April 1945 erstand Österreich neu.

Zeitleiste: Ereignisse und Zeitgeschehen

1940:
Reichsjugendwohlfahrtsgesetz
1938:
Anschluss an das Deutsche Reich
1939:
Beginn des 2. Weltkriegs
1945:
Kriegsende und Wiederherstellung Österreichs

Bis 1938 waren die Gemeinden für die Versorgung der Bedürftigen zuständig. Mit dem Anschluss wurden diese von Gau- und Kreisfürsorgeverbänden abgelöst. Im Gegensatz zu Österreich war in Deutschland bereits 1924 ein Jugendwohlfahrtsgesetz in Kraft getreten, das nun «nazifiziert» auch in der Ostmark zur Anwendung kam. Dies beinhaltete nicht nur die NS-Sozialorganisation NSV, sondern auch eine Auslese nach «erbbiologischen» Kriterien.

«Ziel der Erziehung ist der deutsche Mensch, der rassebewußt in Blut und Boden wurzelt und Volk und Reich verpflichtet ist»


Historie

MDie Maschinerie der Auslese «Die Maschinerie der Auslese»

«Die Erziehung der Jugend im nationalsozialistischen Staate ist Erziehung zur deutschen Volksgemeinschaft. Ziel der Erziehung ist der körperlich und seelisch gesunde, sittlich gefestigte, geistig entwickelte, beruflich tüchtige deutsche Mensch, der rassebewußt in Blut und Boden wurzelt und Volk und Reich verpflichtet und verbunden ist. Jedes deutsche Kind soll in diesem Sinne zu einem verantwortungsbewußten Glied der deutschen Volksgemeinschaft erzogen werden.»
§ 8 Abs. 1 Verordnung über Jugendwohlfahrt in der Ostmark

NSV

Kennzeichen Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV)

Nationalsozialistische Volkswohlfahrt – Die NS-Wohlfahrtsorganistion, die der staatlichen Jugendwohlfahrt «beigestellt» wurde und immer mehr Aufgaben von ihr übernahm.

Volkspflegerin

NS-Begriff der Fürsorgerin, die neben der sachkundlichen Ausbildung auch eine ideologische Schulung absolvieren musste. Für eine Bewerbung war ein «politisches Unbedenklichkeitszeugnis» vonnöten.

Pflichtaufgabe der Fürsorge soll sein, dem Hilfsbedürftigen den notwendigen Lebensbedarf zu gewähren. Die Fürsorge darf dabei nicht einförmig helfen, sondern muß die Eigenart der Notstände ergründen und danach die Mittel zur Abhilfe wählen; schematische Fürsorge widerspricht den Grundsätzen. Das Ziel jeder Fürsorge muss sein, sich überflüssig zu machen, das heißt den Hilfsbedürftigen in seinem Willen und in seiner Kraft so zu stärken, daß er sich durch eigenes Können, Mühen und Schaffen selbst behaupten, insbesondere für seine unterhalts berechtigte Familie selbst sorgen kann.
Fürsorgepflichtverordnung, Kundmachung vom 3. September 1938

Kriterien für ein negatives erbbiologisches Gutachten

  • Rasseideologische Aspekte
  • Straffälligkeit von Angehörigen
  • Selbstmord von Angehörigen
  • Politische Unzuverlässigkeit der Eltern

Jugendschutzlager

  • Beschönigender Ausdruck für Jugend KZ
  • Moringen für Jungen / Uckermark für Mädchen
  • Jugendverwahrlager Litzmannstedt für polnische Jungen und Mädchen
Marschierende Hitler-Jugend, Linz, 1940 Marschierende Hitler-Jugend, Linz, 1940

HJ

Kennzeichen Hitlerjugend (HJ)

Die Hitlerjugend war die Jugend- und Nachwuchsorganisation der NSDAP und zum einzigen staatlich anerkannten Jugendverband mit bis zu 8,7 Millionen Mitgliedern und damit 98 Prozent aller deutschen Jugendlichen ausgebaut.

 
BDM-Mädchen bei den Sporttagen der Jugend, Linz, 1940 BDM-Mädchen, Sporttage der Jugend, Linz, 1940

BDM

Kennzeichen Bund Deutscher Mädel (BDM)

Der Bund Deutscher Mädel war der weibliche Zweig der Hitlerjugend. Aufgrund der Pflichtmitgliedschaft bildete der BDM die damals zahlenmäßig größte weibliche Jugendorganisation der Welt.